Propstei St. Gerold

Der heilige Gerold

Die Geroldslegende in der Darstellung von Bruder Fridolin Dumeisen (Foto: Propstei).

«O heiliger Gerold,
du getreuer Hausvater und besorgter Schützer deiner Angehörigen,
gewähre uns deine mächtige Hilfe in den Nöten des Lebens.
Schütze uns durch deine Fürbitte an Hab und Gut,
in Haus und Feld und Flur.»
St. Geroldsbüchlein, 1906

Was ist eine Legende?

Heiligenlegenden waren im Mittelalter eine beliebte literarische Gattung. Sie entsprachen dem Bedürfnis, Genaueres über das Leben von Heiligen und ihre Taten zu erfahren. Legenden wurden aber auch gezielt eingesetzt, um den Bekanntheitsgrad einzelner Heiliger zu erweitern.

Heiligenlegenden enthalten oft Wundererzählungen und betonen die vorbildhafte Lebensführung eines Heiligen. Die Erzählungen sollen die Menschen erbauen und ihnen anhand konkreter Geschichten aufzeigen, dass Gott im Leben der Menschen wirksam und erfahrbar ist.

Auch wenn Legenden keine authentischen Zeugnisse im Sinne einer historisch gesicherten Biographie darstellen, so sind sie doch interessante Zeugnisse der historischen Wahrnehmung einer konkreten Region und Zeit. Oft enthalten sie einen geschichtlichen Kern.

Erhalten sind zwei Fassungen der Gerolds-Legende: eine anonym überlieferte, alemannische Prosalegende aus dem Jahre 1514 in einfacher, volksnaher Sprache; sie stellt wohl die Kopie einer wesentlich älteren, inzwischen verloren gegangenen Legendenfassung dar.

Die zweite Legende verdanken wir Einsiedler Pater Albrecht von Bonstetten aus dem Jahre 1484.

1684 malte Bruder Fridolin Dumeisen aus dem Kloster Mariastein (CH) die Geroldslegende in der Version Bonstettens auf zehn grosse Bildtafeln. Der schöne Bildzyklus befindet sich heute in der Gerolds-Gedenkstätte.

Die Geroldslegende im Wortlaut