Propstei St. Gerold

Der Basilisk im Wappen

Der Basilisk (das Wort stammt vom Griechischen basiliskos = kleiner König) ist ein mythisches Fabelwesen und gilt als «König der Schlangen». Im Mittelalter wurden Basilisken oft als Mischwesen dargestellt: mit dem Oberkörper eines Hahns, auf dem Kopf eine Krone, dem Unterleib einer Schlange. Der Basilisk findet sich vereinzelt in der Heraldik als Wappentier (z.B. Wappen-Halter von Basel/CH).

Basilisken symbolisieren als allegorische Figur den Tod, den Teufel oder die Sünde. Vom 13. bis 17. Jh. trifft man an Taufsteinen, Apsis-Friesen, Schreinen usw. häufig die Darstellung von Basilisken im kirchlichen Raum. In der Propstei ist ein Apsis-Fries aus alter Zeit erhalten geblieben, das man bei der letzten Erneuerung der Kirche gerettet und beim Eingang zum Konvent angebracht hat.

Die Darstellung des Basilisken hängt in der Propstei St. Gerold mit dem Patronat der romanischen Kirche des 11./12. Jahrhunderts zusammen, die der heiligen Maria Magdalena geweiht war. Das Propsteisiegel von 1371 zeigt die hl. Maria Magdalena, das Siegel von 1410 die hl. Maria Magdalena und den Basilisken (erst seit 1494 erscheint auf dem Propsteisiegel der hl. Gerold). Das Patronat der hl. Maria Magdalena wurde wohl mit Blick auf den «Büsser» Gerold gewählt, der diese Stätte durch sein Leben in Gebet und Verzicht geheiligt hat.

Bis in die Gegenwart wurde Maria Magdalena mit der «Sünderin» – die später als «Prostituierte» gedeutet wurde – gleichgesetzt, die Jesus die Füsse wusch und deren Name nicht überliefert ist (vgl. Lk 7, 36-50). Die moderne Exegese stützt diese These jedoch nicht mehr.

Der Basilisk ist also ein Sinnbild für die angebliche Prostituierte und spätere Büsserin Maria Magdalena und fand durch ihr Patronat Eingang ins Wappen der Propstei. Es symbolisiert gleichsam die Kräfte der Anfechtung und des Widerstandes gegen das Gute, Wahre und Schöne, wodurch sich das Geheimnis Gottes auszeichnet.

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