Propstei St. Gerold

Von unklaren Anfängen bis ins 20. Jahrhundert

Die Propsteianlage um 1640 (älteste Abbildung) in einer Grafik von Pater Bucelin (Foto: Propstei).

Unklare Anfänge

Die Quellenlage zu den Anfängen der Propstei St. Gerold ist spärlich. Urkunden über die Propsteigründung existieren nicht; diese wurden wahrscheinlich bei einem Brand der Propstei im Jahre 1311 vernichtet. Rückschlüsse auf die im Dunkeln liegende Gründungsgeschichte ermöglichen die Legende aus dem Jahre 1484, zwei Urkunden aus den Jahren 1227 und 1285 sowie die Patrozinien-Geschichte des ursprünglichen Klösterleins.

Eine zum Teil erhaltene Steinkirche und ein in diesen Bau eingemittetes Kastengrab aus romanischer Zeit deuten darauf hin, dass die Geschichte der Propstei mit einem Eremiten begonnen hat, der wohl im 11. Jahrhundert an der Stelle der heutigen Propstei gelebt hat und offensichtlich verehrt worden ist.

1220/1227 scheint urkundlich erstmals eine klösterliche Niederlassung namens «Frisun» auf (Friesen ist der alte Name des heutigen Grossen Walsertals). Dieses erste schriftliche Zeugnis findet sich in der Gütergeschichte des Prämonstratenser-Stifts Weissenau bei Ravensburg (D). Es könnte ein Hinweis darauf sein, dass die Propstei damals oder gar ursprünglich im Besitz dieses Klosters war.

Auch die ursprünglichen Patrone der Kapelle von St. Gerold, die Bischöfe und Märtyrer Antonin und Dionys, weisen auf das Kloster Weissenau hin. Diese beiden ansonsten selten verehrten Heiligen (insbesondere der hl. Antonin) werden interessanterweise im Reliquienverzeichnis des Frauenklosters Weissenau aufgeführt.

Spätestens im 13. Jahrhundert gelangte die Propstei St. Gerold an das Kloster Einsiedeln. 1285–1290 wirkte der erste, nachweislich aus dem Kloster Einsiedeln stammende Propst in St. Gerold.