Propstei St. Gerold
Der heilige Gerold als Büsser, Statue aus dem 17. Jahrhundert, Gerolds-Gedenkstätte (Foto: Peter Mathis).

Die Geroldslegende

Gerold war einst Herzog von Sachsen, überliess jedoch im reifen Mannesalter seinem ältesten Sohn Heinrich die Herrschaft und begab sich in Begleitung eines Esels auf die Suche nach einem geeigneten Ort für ein gottgefälliges Leben in der Abgeschiedenheit.

Sein Weg führte ihn über Bregenz am Bodensee und Feldkirch in die damalige Einöde des Walgau und Friesentals (heute Grosses Walsertal), wo sich der Esel unter einer grossen Eiche niederlegte und nicht mehr weiterzog. Gerold sah darin einen Fingerzeig Gottes und führte an dieser Stelle von nun an ein gottgeweihtes Leben.

Bei einer Bärenjagd, die die Jäger des in dieser Gegend ansässigen Grafen Otto von Jagdberg veranstalteten, floh der verfolgte Bär zu Gerold unter der grossen Eiche. Die Jäger knieten voller Staunen vor dem Heiligen nieder und berichteten Graf Otto von dem Wunder. Der Graf suchte daraufhin zusammen mit seiner Frau Benedicta den Einsiedler auf. Als er das heiligmässige Leben Gerolds sah, schenkte er ihm das umliegende Land, liess es roden und bebauen und ihm eine Zelle und Kapelle errichten.

Gerold lebte fortan an dieser besonderen Stätte, stärkte mit der Verkündigung des Evangeliums die Seele und mit Speise und Trank den Leib der Menschen, die ihn aufsuchten, und vollbrachte dort mancherlei Wunder.
Später folgten ihm seine zwei jüngeren Söhne Camo (Kuno) und Ulrich in die Einöde und schlossen sich dem Benediktinerorden an.

Als Gerold merkte, dass er bald sterben werde, begab er sich nach Einsiedeln und übereignete sein Kloster in Friesen und seine beiden Söhne mitsamt ihrem Besitz dem dortigen Abt. Bald nach seiner Rückkehr nach Friesen starb er und wurde in der Mitte der Klosterkirche begraben.

Seine Söhne lebten weiterhin als Mönche in Friesen, wo sie starben und ebenfalls begraben wurden.
Albrecht von Bonstetten

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