Propstei St. Gerold

Besiedlungsgeschichte

Ein traditionelles Walserhaus in Fontanella (Foto:Stefan Heim).

Bis ins 14./15. Jahrhundert wurde das heutige Grosse Walsertal «Frisun/Friesen» genannt. Die erste Bevölkerung bestand aus Rätoromanen, die wohl ab 1100/1150 zunächst die höher gelegenen, waldfreien Talflanken im Sommer für ihr Vieh als zusätzliche Weideflächen nutzten und allmählich auch im Tal sesshaft wurden. Viele rätische Orts-, Alp- und Güternamen des Grossen Walsertales wie Raggal (rätoromanisch «runcale – abgeholzt»), Fontanella, Plazera, Garfülla, Plansott, Laguz, Klesenza, Partnom, Sera und Steris weisen noch heute auf die rätoromanische Besiedlungsphase hin.

Die Rätoromanen, die auf Propsteigebiet wohnten, wurden Hörige des Klosters und «Gotteshausleute» genannt. Sie waren dem Kloster eigen, mit Leib und Gut verpflichtet, was nicht heisst, dass sie rechtlos waren.

Um die Bevölkerung zu vermehren, schlugen die Grafen von Montfort ihren Walliser Dienstmannen (Söldner) vor, mit «Kind und Kegel» nach Vorarlberg zu ziehen und die Hochtäler in Besitz zu nehmen. Die Grafen von Montfort erhofften von den bergerfahrenen Siedlern und kundigen Landwirten, die zudem als besonders zäh bekannt waren, auch einen höheren Zins, weil sie höhere Erträge erwirtschaften konnten.

So entstanden ab etwa 1300 bedeutende Walsersiedlungen u.a. im Grossen Walsertal. Die Walser übernahmen zuerst die Höfe im vorderen Teil des Tales, führten die Vieh- und Milchwirtschaft ein, rodeten weite Bereiche des Tales und pflegten auch die Bewirtschaftung der Alpen, die bis heute einen zentralen Stellenwert im Tal inne hat.

Alles in allem genossen die Walser viel Freiraum, sie hatten eine eigene Gerichtsbarkeit und behielten ihre Unabhängigkeit – damals eine Sonderstellung, waren die in Vorarlberg lebenden Menschen zu jener Zeit doch zumeist Unfreie.

Das Walserhaus

Nach oben