Propstei St. Gerold

Historisch gewachsen und kulturell bedeutsam

Das 1965 freigelegte Fundament der romanischen Apsis.

Die über 1000 Jahre alte Geschichte
der Propstei St. Gerold ist auch an der Gesamtanlage ablesbar. Ein Großteil des Propsteigebäudes mit Kirche und die ehemalige Antoniuskapelle stammen aus dem 12. oder frühen 13. Jahrhundert. Geringe Reste der Vorgängerbauten aus dem 10./11. Jahrhundert sind in deren Kern noch erhalten.

Die Kirche und die Propstei
wurden in der Gotik, der Barockzeit, dem Historismus und zuletzt in der 2. Hälfte des 20. Jahrhunderts erweitert bzw. umgebaut. Um diese Kernbauten wurden die Wirtschaftsgebäude gruppiert, so etwa der Rossstalltrakt und das Landwirtschaftsgebäude in der 2. Hälfte des 17. Jahrhunderts oder die Schmiede im 19. Jahrhundert. Besonders eindrucksvoll sind auch die barocken Ausstattungen mehrerer ehemaliger Propsteiräume. Der Kirchenraum ist eine zeittypische Raumgestaltung der 1960er Jahre. Damals wurde die Propstei umfangreich renoviert und zu einer offenen Begegnungsstätte umgebaut. Es entstand ein religiöses, soziales und kulturelles Zentrum für die Region «Großes Walsertal». Damit wurde die über 1000-jährige Geschichte der Propstei im Sinne der ursprünglichen Idee eines geistig religiösen und kontemplativen Ortes fortgeschrieben. Die späteren Zubauten erfolgten mit der entsprechenden Rücksicht auf das gewachsene historische Ensemble. Die anstehenden Veränderungen der nächsten Jahre sollen zukünftig auch nur als weiterführende Episode in der stetigen Entwicklung der Anlage und nicht als Markstein des beginnenden 21. Jahrhunderts wahrgenommen werden.

Die Bedeutung
der im Hochmittelalter gegründeten Klosteranlage liegt vor allem darin, dass über die Jahrhunderte die Tradition beibehalten wurde, in jeder Epoche das Bestehende zu respektieren und zumeist sensibel weitergebaut zu haben. Darum ist es nach wie vor ein Erlebnis, St. Gerold zu besuchen oder auch aus einiger Entfernung als historisch gewachsenes und kulturell bedeutendes Ensemble wahrzunehmen.
Dipl. Ing. Mag. Barbara Keller, Landeskonservatorin für Vorarlberg.

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