Propstei St. Gerold

Erste Sanierungsetappe vollendet

Nach intensiver fünfjähriger Planungs- und dreizehnmonatiger Bauzeit konnten wir Ende Juli 2015 die erste Etappe der Propsteisanierung abschließen und die neue Küche und Gastronomie in Betrieb nehmen. Zahlreiche Interessierte von nah und fern haben seither die Propstei besucht und die neuen Räumlichkeiten besichtigt. Was die Gäste unter anderem vor allem anspricht, ist die Verbindung von alter und neuer Bausubstanz sowie der Innenausbau mit Holz, der dem Besucher einen wertigen und doch schlichten Eindruck vermittelt.

Eschenholz der Propstei

Die Verwendung von natürlichen, wertvollen und regionalen Materialien ist ein wegweisendes Anliegen bei der Sanierungsplanung. Deshalb spielte Holz bei der innenarchitektonischen Gestaltung sowohl der neuen Gastronomie wie auch der drei neuen Giebelzimmer eine zentrale Rolle. Die Decke in den Gasträumen und im Laden sowie der Boden in der Geroldsstube sind Fichte; alle übrigen Böden, Decken, Wandverkleidungen und Möbel wurden mit Eschenholz gefertigt. Rund 60% der verarbeiteten Esche stammen aus dem eigenen Propsteiwald, das restliche Eschenholz wurde im Walgau und im Rheintal geschlagen.

9 m lange Holzdielen

9 m lange Fichte von ehemaligem Forschungswald der ETH Zürich

Eine Besonderheit ist der Holzboden in der Geroldsstube. Hierfür konnten wir eine Fichte von 9 m Länge, einem Durchmesser von 120 cm am Stammanfang und einer Holzmenge von ca. 7 m3 erwerben. Der Baum stand in der Liebegg im Waldrevier Uetliberg oberhalb des Triemlispitals bei Zürich in der Schweiz, einem Waldstück, das bis 2004 der ETH Zürich gehörte und ihr als Lehr- und Forschungswald diente. Aus dem mächtigen und weitgehend astfreien Stamm wurden eigentliche „Schlossdielen“ von 9 m Länge und 4 cm Dicke gesägt und sägerau in der Geroldsstube verlegt.

Sägeraue Böden

Sägerauer Eschenboden in der neuen Gastronomie
Sägerauer Eschenboden im neuen Hochzeitszimmer

Die Beschaffenheit der Holzböden in der Gastronomie und in den Zimmern haben wir über Wochen eingehend und kontrovers im Bauausschuss, mit den Architekten, mit langjährigen Holzverarbeitern wie auch mit Frauen diskutiert, die solche Holzböden – insbesondere im Bregenzerwald – in öffentlichen Gebäuden pflegen. Letztlich waren es diese Frauen, die mich zu diesem Schritt bewogen haben. Ursprünglich skeptisch über das Ansinnen, sägeraue Holzdielen in öffentlich genutzten Gebäuden zu verlegen, sagen diese Frauen heute unisono, dass sie es sich nicht mehr anders vorstellen könnten und wünschten.

Sägeraue Böden sind eine Einstellungssache. Man muss diese Dielen zunächst etwas aushalten, ihnen Zeit lassen, eine natürliche und unempfindliche Patina zu entwickeln, wie wir sie von den alten, schönen Stubenböden her kennen. Langfristig – Klöster bauen ja bekanntlich nicht nur für eine Generation – sind sie in ihrer Natürlichkeit und Schönheit bestimmt unersetzlich. Mitentscheidend für den Einbau dieser Böden war die Prüfphase mit einem sägerauen Probeboden im alten Office der Propstei. Bewusst verursachte Saucen-, Öl- und Weinflecken haben der Fichten- wie der Eschenboden nach drei bis vier Wochen durch die im Holz enthaltenen Gerbstoffe selber herausgearbeitet, so dass davon nichts mehr sichtbar war.

Regionales Handwerk

In Vorarlberg genießt das Handwerk insbesondere in der Holzverarbeitung einen hohen Stellenwert und wird vielerorts mit Leidenschaft und Sorgfalt ausgeübt. Dank guter Handwerksbetriebe konnten wir allein im Großen Walsertal Aufträge in siebenstelliger Höhe vergeben, ebenso in der Region des Walgau, womit ein schöner Teil der Wertschöpfung im Tal und in der Region geblieben ist. Diese Vergabe zahlreicher Bauleistungen an regionale Betriebe soll auch Ausdruck der Wertschätzung der Propstei gegenüber deren gepflegtem Handwerk sein.

 

Historischer Dachstuhl

Große Teile der neuen Gastronomie befinden sich in einem historischen Gebäude aus dem Jahre 1683, das teils bis vor einem Jahr als Pferdestall, Spycher und Remise gedient hat. Insbesondere der Spycher ist seit dessen Errichtung im 17. Jahrhundert baulich weitgehend unverändert geblieben, so dass innen der alte Kalkputz wie auch der historische Dachstuhl – obwohl über die Jahrhunderte nur mit Ziegeln, ohne Unterdach, eingedeckt – instand geblieben sind und erhalten werden konnten. Mit Erlaubnis des Bundesdenkmalamtes konnten wir das Dach des Spychers rund 45 cm anheben und die Dämmung über den Sparren anbringen, so dass der intakte, eindrückliche Dachstuhl von 1683 sichtbar geblieben ist. Der sanierte Spycher ist ein besonderes Bijou und kann unter anderem optimal für Gesellschaftsanlässe wie Tauffeiern, Geburtstage, kleinere Hochzeiten oder Weihnachtsessen bis 66 Personen genutzt werden.

Schießscharten

In den Putz eingeritzte Kreuze über den zwölf kleinen Fensteröffnungen des historischen Spychers
Schiessschartenartige Öffnungen im historischen Spycher von 1683

Eine weitere Besonderheit im Spycher sind die zwölf kleinen, teils schießschartenartigen Öffnungen – sie sind wohl Ausdruck eines Sicherheitsbedürfnisses mit Blick auf den zurückliegenden Dreißigjährigen Krieg. Bei der Entfernung jüngerer Farbschichten auf dem ebenfalls weitgehend originalen Außenputz sind über diesen zwölf kleinen Fensteröffnungen eingravierte Kreuze zum Vorschein gekommen, wohl für die zwölf Apostel stehend.

Karolingische Minuskel

In der ersten Sanierungsetappe wurden der natürlichen Beleuchtung sowie der Raumwahrnehmung wegen zahlreiche großflächige Fenster und Glastüren eingebaut. Diese Glasflächen müssen von Gesetzes wegen mit einem sogenannten Anlaufschutz versehen werden. An Stelle von nichtssagenden geometrischen Figuren, haben wir an den Glasflächen Sätze aus der Regel des heiligen Benedikt in deutscher und lateinischer Sprache angebracht. Ein schönes Detail dabei ist, dass die Beschriftung dieser Glasflächen mit einer alten, digitalisierten Handschrift realisiert werden konnte, der sogenannten Beneventana, einer regionalen Variante der karolingischen Minuskel. Die Beneventana ist eine Buchschrift, die um 900 n. Chr. insbesondere im Kloster Monte Cassino in Gebrauch war, dem Mutterkloster der Benediktiner, wo auch die Benediktsregel im 6. Jahrhundert verfasst worden ist.

Neue Geroldsstatue

Die neuen Gastronomieräumlichkeiten haben wir nach deren ursprünglichen Nutzung Remise und Spycher benannt. Eine Ausnahme bildet der ehemalige Pferde- und Schweinestall. Aus ihm ist neu die Geroldsstube geworden, der Speisesaal für die Hausgäste. Mein Mitbruder Pater Jean-Sébastien Charrière hat für diesen neuen Gastraum eine eindrückliche Skulptur des heiligen Gerold geschaffen, dargestellt mit dem Esel, der ja laut Legende Gerold den Anstoß gab, sich an dieser besonderen Stätte niederzulassen. Eine detaillierte Beschreibung und eine Abbildung der Skulptur finden sich in der Propsteizeitung. In absehbarer Zeit soll die Geroldsstube noch mit einem besonderen bronzenen Kreuz komplettiert werden, das ebenfalls aus der Werkstätte von Pater Jean-Sébastien stammt und noch auf einen großzügigen Wohltäter wartet...

Dank

Nur dank vielfältiger Unterstützung konnte diese umfassende erste Sanierungsetappe realisiert werden. Zu ihrem Gelingen haben unzählige Menschen beigetragen, von der Klostergemeinschaft in Einsiedeln, dem Architektenteam, dem Bauausschuss, der Projekt- und Bauleitung und dem Finanzausschuss bis hin zum Land Vorarlberg, großzügigen Unternehmern und Stiftungen sowie zahlreichen Freunden und Wohltätern der Propstei, die mit großherzigen und vielen wertvollen kleineren Spenden die Umsetzung erst möglich gemacht haben. Ihnen allen sage ich auch im Namen von Abt Urban und meiner Mitbrüder in Einsiedeln ein herzliches Vergelt’s Gott! Zur Finanzierung sowohl des ersten Bauabschnittes wie auch der folgenden Sanierungsetappen bedarf es weiterer umfassender Fundraisingsarbeit und generöser Spender. Jede Unterstützung und jeder Beitrag ist weiterhin willkommen!

Ein besonderes Dankeschön – auch von Seite unserer Betriebsleiterin Birgit Sauter-Paulitsch – gilt unseren Hausgästen, die die Baustelle und die bereitwillig und interessiert geduldet haben. Schließlich möchten wir uns auch bei allen freiwilligen Helferinnen und Helfern sowie bei den Mitarbeitenden bedanken, die da und dort zusätzlich gefordert waren, auf zahlreiche Herausforderungen lösungsorientiert reagiert und immer wieder eine große Flexibilität und Hilfsbereitschaft an den Tag gelegt haben. Vielen Dank!

Helles Foyer über dem Klosterladen
Zugang zum Spycher und zum Lift vom Foyer aus
Lichtdurchflutetes Foyer
Die neue Küche von aussen mit Mitarbeiterräumen im 1. Stock
Neue Küche von innen
Neuer Hauptzugang mit Arena-Treppe
Neuer Propsteihof mit Brunnen
Neuer Gastgarten mit herrlichem Blick ins Tal
Neuer Gastgarten